Hoch in den Anden

Das mittlerweile fünfte Land unserer Reise liegt hinter uns und wieder sind wir um viele positive aber auch einige negative Erfahrungen reicher. Die Natur in Bolivien ist einfach überwältigend und unglaublich abwechslungsreich, von den tropischen Regionen, über die wir in unserem letzten Beitrag berichtet haben, bis zur dünnen Luft der Anden, die uns sowohl in der Hauptstadt La Paz als auch am Titicacasee ein ums andere Mal außer Atem gebracht hat. Leider hat die Mentalität der Bolivianer gelegentlich für Frust bei uns gesorgt, man muss immer wieder aufpassen nicht über’s Ohr gehauen zu werden und einige sehen im westllichen Touristen wohl nicht viel mehr als einen wandelnden Geldautomaten auf zwei Beinen. Es ist verständlich, dass in einem armen Land wie Bolivien versucht wird möglichst viel Geld mit dem reisenden „Gringo“ zu machen, aber die Dreistigkeit die hierbei teilweise an den Tag gelegt wird ist nicht vergleichbar mit der offenen und fairen Art in den anderen Ländern zuvor. Zum Glück gab es aber auch immer wieder positive Ausnahmen, die wir dann um so mehr zu schätzen wussten.

Steg Titicacasee
Steg am Titicacasee (Copacabana, Bolivien)

18.10. – 23.10.15 La Paz, Bolivien

Nach dem anstrengenden Aufenthalt im Dschungel hatten wir uns auf ein paar entspannte Tage mit allen Vorzügen einer Großstadt gefreut. Leider wurde daraus zuerst nichts, da Florian am ersten Morgen mit starken Magenproblemen aufwachte und im Laufe des Tages auch immer höheres Fieber bekam. Das Fieber ist ein Alarmsignal, das man hier sehr ernst nehmen sollte, besonders wenn man sich zuvor den tropischen Insekten als Abendessen angeboten hat. Zum Glück stellte sich aber nach einem Besuch in einer sehr gut ausgestatteten Privatklinik heraus, das es „nur“ ein bakterieller Infekt, wahrscheinlich durch verunreinigtes Essen war. Dank des Antibiotikums und viel Schlaf war nach zwei Tagen das Gröbste überstanden und wir konnten wenigstens noch etwas von der Stadt sehen.

Die „Teleféricos“ erwiesen sich hierbei als besonders nützlich, um den noch etwas schlappen Körper durch die bergige Stadt zu transportieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Großstädten ist es in La Paz, durch die Lage in den felsigen Anden, nicht möglich eine U-Bahn zu bauen und so wurde vor einigen Jahren begonnen ein Netz aus Seilbahnen zu installieren. Drei Linien sind bereits fertiggestellt und fünf weitere sind in Planung und für wenig Geld kann man über den Dächern der Stadt die Aussicht genießen. Besonders spannend wurde es, als die Gondel während einer Fahrt plötzlich wegen eines aufziehenden Gewitters und des damit einhergehenden starken Windes stoppte. Der Ausblick auf die zuckenden Blitze und die bedrohlich wirkenden grauen Wolken war zwar fesselnd, trotzdem waren wir froh als es weiter ging und wir kurze Zeit später wieder festen Boden unter den Füßen hatten.

Ein Versuch ins Kino zu gehen scheiterte kläglich, da sich die Säle mit den englischsprachigen Filmen (so gut ist Florians Spanisch dann doch noch nicht…) so lange vor uns versteckten, bis alle Filme bereits begonnen hatten. Wer „Das Haus, das Verrückte macht“ aus „Asterix erobert Rom“ kennt, kann sich vorstellen wie wir uns fühlten, als wir von den einsilbigen Angestellten kreuz und quer durch das Einkaufszentrum geschickt wurden, in dem sich das Kino befand. Das gesparte Geld konnten wir dann aber noch sinnvoll in Handschuhe, Mütze und Pullover aus Alpakawolle investieren, um für die nächsten kühlen Wochen in den Anden gerüstet zu sein. Man gewinnt sicherlich keinen Schönheitspreis mit diesem Outfit und sieht ein wenig aus wie ein peruanischer Panflötenspieler in einer deutschen Fußgängerzone, aber die Wolle hält unglaublich warm und es hat etwas sehr Befreiendes bei jedem Anblick des eigenen Spiegelbilds wieder in spontanes Gelächter auszubrechen.

Flo Titicacasee
Warm und wunderschön! (Copacabana, Bolivien)

23.10. – 29.10.15 Copacabana, Bolivien

Nach diesen notgedrungen sehr ruhigen Tagen bestiegen wir morgens einen Minibus, parkten für vier Stunden unsere Knie unterm Kinn und kamen gegen Mittag in Copacabana an. Das Städtchen mit dem berühmten Namen (nicht zu verwechseln mit dem Strand in Rio de Janeiro) liegt auf der bolivianischen Seite des Titicacasees und ist sowohl bei ausländischen als auch bei einheimischen Touristen sehr beliebt. Der See liegt auf einer Höhe von über 3800 Metern und ist somit der „höchste kommerziell befahrbare See der Welt“ (danke Wikipedia für diese Information). Auch ohne künstliche Superlative ist der Anblick einmalig: Das Blau des Wassers und des Himmels wirken wie gemalt, rundherum sieht man die Gipfel der Anden und die Wolken sind zum greifen nah.

Pia Flo Titicacasee
Hoch über dem Titicacasee (Copacabana, Bolivien)
Ente Titicacasee
Ente im tiefblauen Wasser (Copacabana, Bolivien)

Unser Hotel lag am Hang und aus dem Garten hat man einen tollen Blick auf die Stadt und auf den See. Die Tage waren dank viel Sonne wärmer als erwartet und auch die Nächte überstanden wir dank Heizstrahler im Zimmer und dicker Decke ohne Frostbeulen. In den ersten Tagen haben wir einige kleine Wanderungen unternommen und immer mal wieder die lokale Restaurantszene getestet. An jeder Ecke gibt es hier frische Forelle, was eine willkommene Abwechslung zum Fleisch-Reis-Einerlei darstellt. Nicht jeder Restaurantbesuch war aber von Erfolg gekrönt und so gab es zum Frühstück schon mal ein fast flüssiges Ei. Wieder was gelernt, ein 4-Minuten-Ei ist auf fast 4000 Metern durch den niedrigeren Siedepunkt des Wassers kein 4-Minuten-Ei!

Eine unserer Wanderungen führte uns den kurzen aber extrem steilen Pilgerweg hinauf zum Cerro Calvario, einer religiösen Stätte mit perfektem Ausblick über den See und die Stadt. Entlang des Weges stehen 16 steinerne Kreuze, an denen die Gläubigen Halt machen, sich bekreuzigen und um Erfüllung ihrer meist materiellen Wünsche bitten. Oben angekommen bietet sich ein skurilles Bild. An verschiedenen Ständen werden kleine Spielzeughäuser, -autos und Spielgeld in großen Bündeln verkauft. Angeblich bewirkt der Kauf einer dieser „gesegneten“ Miniaturen, dass sich in Kürze auch der Wunsch nach einem Haus oder Auto in Originalgröße erfüllt. Da wir aber in den nächsten Monaten keines der beiden gebrauchen können, haben wir die Offerten der findigen Glücksverkäufer dankend abgelehnt. Der gebotene Ausblick hat uns aber dermaßen begeistert, dass wir am nächsten Tag gleich nochmal hinauf geklettert sind, um den Sonnenuntergang zu bestaunen. Einziger Wehrmutstropfen war der unzählige Müll, der sich am Hang und links und rechts des Weges befindet.

Copacabana von oben
Legoland oder Copacabana von oben? (Copacabana, Bolivien)
Spielzeughäuser
Glück zu verkaufen (Copacabana, Bolivien)
Sonnenuntergang Titicacasee
Sonnenuntergang am Titicacasee (Copacabana, Bolivien)
Vollmond Kreuze
Vollmond auf dem Pilgerweg (Copacabana, Bolivien)

Ein besonderes Highlight war der Tagesausflug zur Isla del Sol („Sonneninsel“). Die Insel war, wie der gesamte See, ein spirituelles Zentrum der Inka. Dem Mythos nach enstieg der Sonnengott Inti zu Anbeginn der Zeiten dem See und später entsandte er den ersten Inka Manco Cápac (Sohn der Sonne) und seine Schwester Mama Ocllo auf die Isla del Sol.
Heute finden sich dort noch die Ruinen des Sonnentempels und eine Landschaft, die ihres Gleichen sucht. Wir entschieden uns die Insel zu Fuß zu erkunden und überquerten sie einmal von Nord nach Süd, immer entlang des ca. 10 Kilometer langen und sehr hügeligen Wanderwegs. Am Rande des Weges füllten die Inselbewohner ihre Bargeldreserven an den wandelnden Geldautomaten auf. Wir mussten dreimal bezahlen, einmal für den Eintritt zu den Ruinen und zweimal für… ja für was eigentlich!? Auch auf Nachfrage konnten uns das die mürrischen Wegelagerer nicht schlüssig erklären.

Isla del Sol 1
Weißer Sandstrand (Isla del Sol, Bolivien)
Isla del Sol 2
Ruinen des Sonnentempels (Isla del Sol, Bolivien)
Isla del Sol 3
Eine von vielen unbewohnten Inseln (Isla del Sol, Bolivien)

Heute Abend starten wir mit dem Nachtbus nach Cusco, Peru. Wir freuen uns auf ein neues Land und besonders auf den Inka Trail zum Machu Picchu, der nächste Woche startet.

Sonnige Grüße aus den Anden!
Pia & Florian

8 Gedanken zu „Hoch in den Anden“

  1. Oh weh , dieses mal hattet ihr aber einige aufregende , besorgniserregende Situationen zu ueberstehen
    Erleichterung bei uns , da ja Gott sei Dank alles gut ausgegangen ist .
    Nun startet ihr zum naechsten Ziel
    Machu Picchu ist ein ganz besonderes Erlebnis . PETER ist schon dagewesen und hat ganz begeistert davon erzaehlt
    Wuenschen euch auch ganz begeisternde Momente
    Und weiterhin gute Zeiten vor allen Dingen Gesundheit
    Hoffen das Florian wieder ganz wohlauf ist
    Liebste Gruesse von Oma und Opa

  2. faszinierende Bilder, auch wenn ich Pia gerne als Panflöten-Spielerin gesehen hätte 😉
    Ist schon wieder sehr spannend zu lesen und zeigt sehr deutlich, dass andere Länder auch andere Sitten haben. Wegelagerer gab es schon in der Antike, so dass da wohl einige den alt (nicht-)ehrwürdigen Beruf wieder für sich entdeckt haben. In anderen Ländern sind es dann eben die Politiker 😉
    Hoffe Flo ist wieder auf dem Damm, wäre ja sonst echt sch….
    Der vor euch liegende Inka Trail wird vermutlich auch wieder eines der (vielen) Highlights, wo wir alle denke ich schon sehnsüchtig auf den Bericht warten 🙂
    In diesem Sinne wünsche ich euch viel Bewahrung, viel Gesundheit, viele tolle Begegnungen und Erfahrungen. Mögen die Wegelagerer zu Hause bleiben 😉

    LG Dirk

    1. Ich kann doch gar nicht Panflöte spielen 😛

      In Peru sind wir bis jetzt keinen Wegelagerern oder sonstigen bräsigen/nervigen Leuten begegnet (wenn man mal die Damen außenvor lässt, die einem hier alle paar Meter eine Massage andrehen wollen). Abgesehen davon haben wir bis jetzt einen sehr positiven Eindruck von Cusco und Peru. Viel haben wir hier allerdings auch noch nicht gesehen.

  3. Cusco ist für mich eine der schönsten Städte, die ich bisher gesehen habe (ist allerdings auch schon eine Weile her). Ich beneide Euch um den Inkapfad, Ihr werdet überwältigt sein. Eine der schönsten und spirituellsten Orte, die ich gesehen habe. Wir hatten das Glück, das nicht so viele Menschen dort waren…. bin gespannt, was Ihr berichtet. Viel Erfolg beim Pfad!! Denk an Euch. Erwähnte ich, dass Florian mit Inkamütze ganz ausgezeichnet aussieht???

    1. Ja, Cusco ist echt toll und wir sind schon super gespannt auf den Pfad. Die Taschen dafür sind nun auch gepackt. Mussten total umpacken, das bringt unsere ganze sonstige Packordnung durcheinander…

      Sag das mit Florian und der Mütze lieber nicht zu laut, sonst trägt er bald nichts anderes mehr 😉

  4. Hallo ihr Lieben,
    hey, denn mal los … Inka Trail zum Machu Picchu … meine Kollegin aus Nürnberg war 2013 dort und total begeistert. Kann man da auch unter einem Wasserfall her klettern.? Ich meine, sie hätte davon erzählt. Aber selbst wenn, gehört das ja nicht gleich zum Pflichtprogramm.
    Euch eine schöne Zeit!!
    Liebe Grüße 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.