Willkommen in der Backpackerhölle!

Da wir nicht mehr Zeit als nötig im von feierwütigen Touristen überlaufenen Süden Thailands verbringen wollten, flogen wir von Koh Tao direkt weiter in den Norden Thailands nach Chiang Mai. Dort, so munkeln diverse Reiseführer, sollte es weniger touristisch sein als im Süden. Sollte… Konjunktiv!
Als wir in Chiang Mai ankamen, mussten wir feststellen, dass sich hier ein Restaurant mit „Western Food“ an das Andere reiht und diese Kette nur ab und an durch diverse Massage-Studios, Hostels und Reisebüros unterbrochen wird.
Nachdem wir trotz allem einige Zeit in Nordthailand verbracht haben, wollten wir uns als Vergleich noch ein bisschen im Osten Thailands umschauen, um hoffentlich mit diesem Land noch zu einem versöhnlicheren Abschluss zu kommen.

Pai Canyon Rücken
Blick in den Canyon (Pai, Thailand)

07. – 11.02.2016 Chiang Mai, Thailand

Für unseren ersten vollen Tag in Chiang Mai hatten wir einen Kochkurs gebucht, worauf wir uns schon länger gefreut hatten. Außerdem würde dieser uns von der leider sehr touristischen Stadt ablenken, in der man viel mehr „Langnasen“ als Einheimische sieht. Generell hatten wir uns für die ersten Tage in Chiang Mai ein paar Aktivitäten vorgenommen, bevor wir die weitere Umgebung im Norden erkunden wollten. Aber eins nach dem anderen…

Am morgen vor dem Kochkurs meldete sich allerdings Pias Immunsystem zu Wort und befahl ihr dringend das Bett zu hüten, um eine ausgereifte Erkältung zu umgehen. Somit mussten wir den Kochkurs schweren Herzens absagen. Letztlich nahmen wir es aber gelassen, da wir ja noch genug Zeit in Thailand haben würden, um ihn nachholen zu können.

Die Ruhe tat Pia dann auch sichtlich gut, sodass wir am darauffolgenden Tag unseren zweitägigen Meditationskurs starten konnten. Dieser Einführungskurs wird gegen kleines Geld von einem Kloster in Chiang Mai angeboten und wurde uns schon ein paar Mal von anderen Reisenden empfohlen. „Die Kneins gehen ins Kloster… was ist denn da los???“, mögt ihr euch jetzt denken. Wir waren auch anfangs etwas skeptisch (der Eine mehr, die Andere etwas weniger) und auf den ersten Blick hört sich so etwas erst einmal sehr esoterisch an, auf einem Level mit Heilpraktikern, welche die Symptome ihrer Patienten „auspendeln“ 😉

Nachdem wir jedoch etwas recherchiert hatten, waren wir wieder ein bisschen schlauer: Meditation selbst ist eine Achtsamkeits- oder Konzentrationsübung, bei der sich der Geist beruhigen und sammeln soll. An sich hat dieses Konzept erst einmal nichts mit Religion oder esoterischem Hokuspokus zu tun. Es wird jedoch häufig mit Buddhismus oder anderen fernöstlichen Kulturen und Religionen in Verbindung gebracht, da Meditation ein fester Bestandteil der buddhistischen Lebensweise ist und von den Mönchen tagtäglich exzessiv praktiziert wird. Wo sonst könnte man die Grundzüge der Meditation also besser lernen als in Asien? Außerdem würde uns dieser Kurs bestimmt einen tieferen Einblick in die überall präsente buddhistische Kultur geben.

Neugierig und ohne großartige Erwartungen trafen wir uns also mit vielen anderen Meditationsfrischlingen (teilweise sehr „interessante“ Gestalten) an besagtem Kloster und wurden von dort, alle schön in weiß gekleidet, in ein Meditationszentrum gebracht, welches sich ca. eine Stunde außerhalb von Chiang Mai befindet. Das Zentrum machte direkt einen freundlichen und einladenden Eindruck, vor allem aber war es RUHIG! Das gefiel uns schon mal. 😉

Dort angekommen wurden wir auf unsere Zimmer verteilt. Wir hatten für den geringen Preis natürlich mit 20er Dorms und harten Pritschen gerechnet. Stattdessen gab es recht geräumige Zweierzimmer, die sogar alle ein eigenes Bad hatten. Der Clou war nur (darauf hatten wir uns aber vorher schon eingestellt), dass bei solchen „Events“ normalerweise Männer und Frauen in getrennten Zimmern schlafen. Also mussten wir uns beide erstmal einen Zimmergenossen bzw. -genossin suchen, was sich aber recht einfach bewerkstelligen ließ.

Nach kurzer Eingewöhnungsphase hatten wir dann auch schon unsere ersten zwei Kursstunden. Durchgeführt und organisiert wurde das Ganze von zwei Mönchen, wobei meistens nur einer der beiden sprach, der andere war wohl noch in der Lernphase und musste zudem noch etwas an seinen Englischkenntnissen feilen.
Als Erstes sollten wir die stehende Meditation und im weiteren Verlauf des Kurses auch die sitzende, liegende und gehende Meditation lernen und praktizieren. Das Wesentliche beim meditieren ist die Beobachtung des eigenen Atems. Man konzentriert sich auf das ein- und ausatmen und zählt ggf. die Atemzüge bis zu einer bestimmten Zahl. Das klingt erstmal relativ einfach, bis man dann merkt, dass die Gedanken irgendwann einfach abschweifen und man plötzlich nicht mehr genau weiß, bei welcher Zahl man gerade war. Dazu kommen noch körperliche Schwierigkeiten, wie z. B. die juckende Nase, der zwickende Rücken, das schmerzende Knie und bei der stehenden Meditation muss man auch noch aufpassen, dass man vor lauter Konzentration nicht irgendwann vergisst, dass man steht und einfach umfällt. Warum man sich das antut? Meditation wirkt sich sehr positiv auf Körper und Geist aus. Der Herzschlag wird verlangsamt, die Atmung vertieft, Muskelspannungen reduziert. Man wird ruhiger, entspannter und befindet sich im hier und jetzt. Außerdem gibt es Anzeichen dafür, dass regelmäßiges meditieren die Konzentrationsfähigkeit erhöht.

Nach zwei Stunden war es dann endlich soweit: Es gab Abendessen! Der Kurs startete Mittags und da wir relativ spät gefrühstückt hatten, hatten wir irgendwie nicht darüber nachgedacht, vorher noch etwas zu essen oder uns wenigstens einen Snack mitzunehmen. Ein grober Fehler, denn der knurrende Magen stört doch etwas die Konznetration beim Meditieren.
Essen in einem Meditationszentrum ist aber bei weitem nicht zu vergleichen mit Essen in der Mensa. Alles was man in dem Zentrum macht, soll möglichst langsam und achtsam (oder in den Worten des Mönchs: „sloooooowlyyy and miiiiiiiiindfullyyyy“) geschehen. Außerdem soll man die Kommunikation während des Aufenthalts im Zentrum auf ein Minimum reduzieren oder auf gut Deutsch: Klappe halten! Jeder kann sich wahrscheinlich gut vorstellen, dass es recht lange dauert, bis sich alle ca. 80 schweigenden Teilnehmer achtsam ihre Teller gefüllt und sich an die Tische gesetzt hatten. Natürlich wird auch erst begonnen zu essen, wenn alle etwas haben. Aber damit nicht genug. Vor dem Essen mussten wir noch unseren Respekt zollen und dem Essen jegliches Vergnügen absprechen und im Chor sagen, dass man nur so viel isst wie man braucht und wie man Hunger hat und nicht mehr. Als wir auch das schließlich hinter uns gebracht hatten, konnte es endlich beginnen. Jeder schob sich langsam, achtsam und vor allem hungrig den ersten Löffel in den Mund. Und siehe da, auch das Essen war besser als erwartet! Wir wissen nicht, ob Pia und geschweige denn Florian jemals soo langsam gegessen haben! Das Beste allerdings war, dass man sich so viel Nachschlag holen durfte, bis man nicht mehr hungrig war (das ist natürlich etwas anderes als satt sein) und es gab tatsächlich genug für alle. Pia hatte nämlich anfangs schon die Fragezeichen in Florians Gesicht entdeckt, wie er denn nun möglichst viel auf den kleinen Teller schaufeln könnte, ohne dass etwas runterfällt 😉

Mit gefüllten Mägen und zufriedenen Gesichtern begaben wir uns nach dem Nachtisch also wieder zurück in den Meditationsraum. Da wir eine sehr große Gruppe waren und der Abt zufällig Zeit hatte, hatten wir die Ehre und durften uns eine kleine Rede vom Chef persönlich anhören. Schließlich übten wir weiter die verschiedenen Meditationsarten. Als letztes durften wir nun endlich auch die liegende Meditation üben. Hierbei hörte man nach und nach allerdings das ein oder andere schnarchen. Es war also definitiv Zeit ins Bett zu gehen. Es war zwar noch relativ früh (halb 10) aber der nächste Tag sollte auch wieder sehr früh beginnen.

Meditation 1
Meditationskurs (Chiang Mai, Thailand)

Um 5 Uhr läutete der Mönch penetrant den Gong bis auch der letzte Morgenmuffel aus seinem Bett gefallen war, denn um 5:30 Uhr startete bereits die nächste Meditationstunde. Alle Schüler mussten feststellen, dass es über Nacht empfindlich abgekühlt war und so sah man nicht mehr nur weiß, sondern auch diverse bunte Jacken in den Reihen. Wir meditierten also weiter fleißig vor uns hin und auch wenn wir uns achtsam im hier und jetzt befinden sollten, ertappten wir uns durchaus das ein oder andere Mal beim Gedanken an das Frühstück. Hunger ist tatsächlich nicht gerade der Freund der Achtsamkeit!

Bevor wir nach der Kursstunde frühstücken durften, sollten wir aber den Mönchen, die früh morgens ihren Almosengang machen, Essensspenden ausgeben. Wer schon mal früh morgens in Asien durch Städte und Dörfer ging, wird wahrscheinlich die vielen Mönche bemerkt haben, die barfuß von Tür zu Tür gehen, Spenden von Buddhisten einsammeln und den Gläubigen danach ihren Segen erteilen. Die Spender helfen so ihrem „Karma“ auf die Sprünge und die Mönche bekommen etwas zu essen.

Wir reihten uns also alle draußen auf dem Platz mit einer kleinen Schüssel Reis und einem Löffel ausgestattet auf und warteten, bis die beiden Mönche vorbei kamen und wir ihnen den Reis in ihre Schale löffeln durften. Das Problem waren allerdings die immer noch sehr frösteligen Temperaturen. Besonders Florian holte sich kalte Füße, da der Hund des Klosters einen seiner vor dem Medidationsraum geparkten FlipFlops ergaunert hatte und er die ganze Prozedur somit barfuß erldigen musste (der Schuh wurde aber später wieder gefunden). Und so bibberten wir alle still vor uns hin bis die Mönche all ihre Almosen entgegengenommen und uns schließlich gesegnet hatten. Wir spürten natürlich direkt, wie sich dies positiv auf unser Karma auswirkte. 😉

Meditation 2
„Fütterung“ der Mönche (Chiang Mai, Thailand)

Danach gab es dann endlich Frühstück. Wir können uns zwar morgens besseres Essen vorstellen, als Reissuppe mit Gemüse, aber immerhin war es warm!
Den restlichen Vormittag meditierten wir dann zum Teil als Gruppe im Kurs weiter, den überwiegenden Teil der Zeit hatten wir aber frei, um selber zu üben. Und so schnappten wir uns ein Kissen, setzten uns ins Gras in die Sonne und meditierten fleißig vor uns hin. Das war wahrscheinlich der beste Teil des Kurses, da wir das Gelernte so direkt für uns anwenden konnten. Wir stellten fest, dass wir tatsächlich einiges in dieser Zeit gelernt hatten und uns der Aufenthalt dort wirklich herunter gefahren hatte und wir viel entspannter waren als noch 24 Stunden zuvor. Wir können uns durchaus vorstellen diese Übung weiter zu verfolgen. Allerdings ist es sicherlich wesentlich einfacher so etwas in einen geregelten Tagesablauf zu integrieren, was bei uns auf der Reise zur Zeit eher selten der Fall ist.

Abschließend gab es noch eine Fragestunde, in der man die Mönche alles zum Thema Meditation, Buddhismus und auch teilweise recht persönliche Fragen zu ihrer Lebensweise fragen konnte. Dabei zeigte sich, dass solche Veranstaltungen alle Arten von Menschen anziehen. Manche Fragen waren doch sehr esoterisch und man merkte den Fragenden ihre tiefe Sinnkriese an. Die allgemeine Denkweise der Mönche war aber interessant, auch wenn sie uns (und besonders Florian) doch etwas zu weichgespühlt war. Das „Konzept Karma“ (ganz grob: „Tue Gutes und dir wiederfährt Gutes“) ist zwar auf den ersten Blick ganz nett, in Kombination mit dem Galuben an die Reinkarnation entstehen da aber teils absurde Konstrukte. Auch das bedingungslose Ignorieren der Vergangenheit („Lebe nur im Hier und Jetzt“) würden wir so nicht unterschreiben.

Meditation 3
Gruppenfoto (Chiang Mai, Thailand)

Schließlich wurden wir wieder eine Stunde lang zurück durch den Verkehr in die Zivilisation gebracht. Wir dachten, wir würden dort erst einmal einen Kulturschock erleiden, doch dieser hielt sich stark in Grenzen. Wir schwebten sehr entspannt wie in einer kleinen Blase durch die Straßen und gönnten uns erst einmal ganz unbuddhistisch ein schönes Magnum-Eis. Ein Hoch auf die Zivilisation! 😉
Wir verbrachten dann noch eine weitere Nacht in unserem alten Guesthouse, bevor wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Pai machten.

11.02. – 14.02.2016 Pai, Thailand

Der Ort Pai, dessen Name so klingt, als hätte sich Pia einen Scherz erlaubt, ist ein kleiner Ort im Norden Thailands knapp 150 km entfernt von Chiang Mai. Da wir der Stadt und dem Touristengewusel etwas entfliehen wollten, machten wir uns im Minibus auf den Weg dorthin und verbrachten drei lange Stunden auf der extrem kurvigen Straße. Gut, dass unsere Mägen mittlerweile schon so abgehärtet sind.
Als wir ankamen, mussten wir feststellen, dass Pai, wenn auch viel kleiner, mindestens genauso touristisch ist, wie Chiang Mai selbst. Die so genannte „Walking Street“, in der sich auch die Bushaltestelle befindet, ist komplett auf Backpacker ausgelegt. Wusaaa, tief durchatmen!
Uns war vorher nicht ganz klar, dass Pai Teil des so genannten „Mae Hong Son Loops“ ist und sich so auf dem „Banana Pancake Trail“ befindet. Was Bananenpfannkuchen mit Reisen zu tun haben fragt ihr? Der Banana Pancake Trail ist nicht wirklich eine Route, aber eine grobe Zusammenfassung von Orten in Südostasien, die sehr häufig von westlichen Backpackern und anderen Touristen aufgesucht werden. Diese Touristen folgen insbesondere den Ratschlägen des Reiseführers „Lonely Planet“ und haben durch ihr Verlangen nach westlichem „Comfort Food“ die lokale Restaurantkultur sehr verändert. Diese Orte sind leider sehr überlaufenen und nach der ursprünglichen einheimischen Kultur muss man als interessierter Reisender regelrecht suchen. Wo uns in Südamerika der Lonely Planet noch hilfreich zur Seite stand, entpuppte sich dieser in Südostasien leider als kaum nützlich (es sei denn, man ist von Heimweh geplagt und möchte mal wieder ein leckeres Croissant oder eben einen Pfannkuchen genießen).

Tja, welche Optionen hat man in so einer Situation? Man kann sich entweder ärgern oder man stürzt sich ins Getümmel. Und da solch geballte Ignoranz und Verballertheit nicht ganz so einfach zu ertragen ist, gönnten wir uns am ersten Abend reichlich Bier und Gin Tonic (zu späterer Stunde nur noch G’onic) in einer Bar mit direktem Blick auf die Walking Street. Und das war viel besser als Fernsehen! 😉

Die erste Nacht verbrachten wir auf der etwas ruhigeren anderen Flussseite in einem kleinen Bungalow. Das durchgelegene Brett unter den zwei Zentimetern Schaumstoff veranlassten uns allerdings nach einer recht schlaflosen Nacht die Unterkunft zu wechseln. Wir fanden einen anderen Bungalow auf einer kleinen Farm ca. 10 Gehminuten entfernt vom Zentrum, wo es schon merklich ruhiger war. Hier konnten wir uns auch Fahrräder ausleihen und somit unseren Erkundungsradius etwas erweitern.
So radelten wir zum ca. 8 km entfernten Pai Canyon. Mit einem viel zu kleinen Fahrrad und dank der ordentlichen Hügel fühlten sich diese paar Kilometer aber durchaus viel länger an. Die Anstrengungen sollten sich allerdings lohnen! Scheinbar interessierte sich der Großteil der Backpacker nicht für dieses Stück schöne Natur (wahrscheinlich weil man da nicht saufen kann) und so wanderten wir ein bisschen durch die etwas bizarre Landschaft des Canyons. Naja, richtig wandern kann man es vielleicht nicht nennen, so lange Strecken gibt es dann dort auch nicht, aber die Aussicht ist durchaus lohnenswert. Somit wurden wir etwas beruhigt, dass der Ausflug nach Pai doch nicht umsonst gewesen war.

Pai Hütte
Eine Oase der Ruhe (Pai, Thailand)
Pai Canyon
Pai Canyon (Pai, Thailand)

Am nächsten Tag liehen wir uns einen Roller (pink mit passendem Hello-Kitty-Helm) und erkundeten weiter die Umgebung. Sobald man aus dem Touristenzentrum rauskommt, sind die Landschaft und die kleinen Ortschaften wirklich schön und idyllisch. Abends fuhren wir dann zum Sonnenuntergang erneut zum Pai Canyon. Diesmal war es durchaus etwas voller mit Touristen, aber immer noch erträglich. Insgesamt waren wir wieder besänftigt und der Aufenthalt in Pai hat sich doch noch gelohnt. Am nächsten Morgen bestiegen wir erneut den Minibus, um uns über die gewundene Straße zurück nach Chiang Mai transportieren zu lassen.

Pai Pia
Die letzten Sonnenstrahlen des Tages (Pai, Thailand)
Pai Sonne
Sonnenuntergang (Pai, Thailand)
Pai Roller
Hello-Kitty-Helm und pinker Roller! (Pai, Thailand)

14.02. – 16.02.2016 Chiang Mai, Thailand

Diesmal checkten wir nicht wieder in das gleiche Guesthouse ein wie zuvor, sondern in ein nettes Hostel in einer anderen Ecke der Stadt. Hier wurden wir positiv überrascht. Dieser Teil der Innenstadt ist zwar (natürlich) auch auf Touristen ausgelegt, aber er ist irgendwie wesentlich entspannter.

Florian nervte bei den warmen Temperaturen hier seine dichte Matte und so wollte er abends noch zum Friseur gehen. Er hatte sich einen hippen Barber Shop & Tattoo Studio ausgesucht. Da er aber weder ein Tattoo wollte, noch mit großartig Bart dienen konnte, mussten sich die beiden Jungs damit begnügen seine Haare zu trimmen. Eigentlich wollte er nur ein bisschen Schnitt in seine Matte bringen lassen, doch Pia ahnte schon etwas, als wir den vorigen asiatischen Kunden den Shop verlassen sahen. Florian wollte den Friseur trotzdem einfach mal machen lassen. Er fing also an zu schneiden und die Haare wurden immer kürzer. Wenn man dann schon mal dabei ist, kann man auch das volle Programm mitnehmen und so ließ Florian den lustig tätowierten Friseur sein Werk auch noch mit ordentlich Pomade veredeln. Pia musste sich bei der ganzen Aktion natürlich ziemlich das Lachen verkneifen 😉
Ohne das Kilo Pomade in den Haaren sieht es jetzt aber doch sehr gut aus!

Chiang Mai Frisör
Ordentlich Pomade!! (Chiang Mai, Thailand)

Wir waren wieder an einem Sonntag in Chiang Mai und besuchten daher erneut den Nachtmarkt, da uns dieser vor einer Woche gut gefallen hatte. Vielleicht lag es an der späteren Stunde oder am Valentinstag, jedenfalls war der Markt leider dieses Mal rappelvoll. Leicht genervt und schon wieder auf dem Heimweg stießen wir auf eine Seitenstraße mit viel verschiedenem und verlockend aussehendem Streetfood. Da wir eh noch nicht gegessen hatten, probierten wir uns durch die verschiedenen Snacks und Gerichte, die zum überwiegenden Teil sehr lecker waren.

Für den nächsten Tag hatten wir nun erneut den Kochkurs gebucht, da wir ihn ja leider letztes Mal absagen mussten. Es kam leider, wie es kommen musste und der nächste Tag startete für uns beide mit mehreren Gängen zum stillen Örtchen. An Kochen und vor allem das anschließende Essen war nicht mehr zu denken und so mussten wir leider den Kochkurs erneut absagen. Nun haben wir unsere Lektion endgültig gelernt: Kein Streetfood mehr, insbesondere nicht vor Kochkursen. 😉
Wir verbrachten den Tag also überwiegend in unseren Hostelbetten und freuten uns nun wirklich über das zahlreiche Angebot von Comfort Food. Eine richtig gute Pasta mit Tomatensauce ist definitiv besser in diesem Zustand als ein scharfes Thai Curry! Zum Glück hat es sich mit den normalen Magen-Darm-Problemen nach ca. 24 Stunden wieder erledigt und so ging es Pia am nächsten Morgen wieder gut. Florian sollte allerdings noch ein paar Tage etwas davon haben, wahrscheinlich weil er Pia immer alles weg isst und somit mehr Erreger gefuttert hatte… Dank Imodium und striktem Fasten konnten wir aber dennoch abends in den Nachtbus nach Udon Thani steigen.

17.02. – 20.02.2016 Udon Thani, Thailand

Unser ursprünglicher Plan war es von Chiang Mai nach Chiang Rai zu fahren, bei Huay Xai die Grenze nach Laos zu überqueren und von dort mit dem Boot zwei Tage lang runter nach Luang Prabang zu fahren. Da diesen Plan aber scheinbar alle Anderen auch hatten und wir nicht wirklich den Mehrwert dieser Route gesehen haben (wir hatten ja bereits unsere Bootserfahrung in Paraguay), haben wir uns dagegen entschieden. Stattdessen haben wir einen Blick auf die Landkarte geworfen und geschaut, welche Teile Thailands es noch gibt, die möglichst wenig im Lonely Planet erwähnt werden und die irgendwie in unsere grobe Route passen. Somit fuhren wir in den Osten Thailands und landeten in Udon Thani.

Udon Thani ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt in der Region Isan im Nordosten Thailands. Die Stadt wird von so gut wie allen Touristen übersehen und so fühlten wir uns fast schon wieder wie in Myanmar, allein unter Einheimischen. Leider ging es Florian immer noch nicht wieder besser und so genossen wir erst einmal unser schönes Zimmer mit Kühlschrank, Wasserkocher und Fernseher (was braucht man mehr?!). Als dann am nächsten Tag immer noch keine Besserung in Sicht war, machten wir lieber einen kurzen Ausflug ins Krankenhaus. Dank Antibiotikum (was würde der Reisende nur ohne diese magischen Smarties tun?) ging es danach dann schnell wieder bergauf. Wir kennen das Ganze ja mittlerweile. Daher verlängerten wir unser Zimmer noch um eine weitere Nacht, um noch etwas von der Stadt sehen zu können.

Udon Thani Enten
Ente, Ente, Ente, Ente, Ente… (Udon Thani, Thailand)

Morgens liehen wir uns vom Hotel zwei Fahrräder und erkundeten ein bisschen die Stadt. Es gibt zwei Seen, ein thai-chinesisches Kulturzentrum, den ein oder anderen Tempel und eine Mall. Insgesamt also nicht viel, was einen großartig vom Hocker haut (sonst wären hier natürlich auch mehr Touris), aber man bekommt einen sehr guten Eindruck von einer normalen thailändischen Stadt. Dazu kommt, dass die Menschen hier unglaublich freundlich und nett sind, weil sie offensichtlich nicht wie in vielen anderen Teilen des Landes die Nase voll von nervigen und leider oft auch dreisten Touristen haben. Und so wurden wir angegrinst, manchmal etwas skeptisch beäugt, ausgefragt und angewunken. Wir sollten scheinbar doch noch zu einem positiven Abschluss mit diesem so unterschiedlichen und vielfältigen Land kommen.

Da ein voller Tag dann aber auch genügt, um die wesentlichen Teile der Stadt zu erkunden und einen Eindruck zu bekommen, machten wir uns nach der dritten Nacht auf den Weg Richtung Norden in die Grenzstadt Nong Khai.

20.02. – 21.02.2016 Nong Khai, Thailand

In dem kleinen Ort Nong Khai verbrachten wir nur eine Nacht. Per Zufall war aber gerade Samstag und an diesem Tag findet jede Woche ein Nachtmarkt direkt an der Uferpromenade des Mekong statt. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Bevor wir allerdings über den Markt schlenderten, mussten wir noch etwas magenfreundliches für Florian zu essen finden, was in einem absolut nicht touristischen Städtchen nicht gerade einfach ist (ihr merkt, die ganze Banana Pancake Geschichte ist ein zweischneidiges Schwert). Wir landeten schließlich in dem einzigen Restaurant in dem nur Ausländer saßen (mal abgesehen von der Frau eines dicken Weißen) und fühlten uns dabei ein bisschen schlecht, weil wir vorher immer über so etwas geschimpft haben. Aber Gesundheit geht nun mal vor. Florian bekam also seine Pasta und Pia hatte (um wenigstens ein bisschen unsere Reisendenehre zu retten) ein großartiges grünes Thai-Curry. Dabei lauschten wir schöner thailändischer Livemusik, genossen den Blick auf den Mekong und fühlten uns hier tausend Mal wohler als im überlaufenen Pai.

Nong Khai Mekong
Blick auf den Mekong und Laos (Nong Khai, Thailand)

Jetzt geht es weiter über den Mekong nach Laos und wir freuen uns schon darauf, Euch bald von unseren neuen Erlebnissen zu berichten.

Sà-wàd-dee,
Florian & Pia

13 Gedanken zu „Willkommen in der Backpackerhölle!“

  1. WUNDERBAR!!!
    Ich übe das Meditieren ja auch schon seit ein paar Jahren und bin begeistert, von Eurer Beschreibung.
    Ja, es ist schwer, die Affenbande im Kopf zu zähmen und es wird manchmal gut klappen und manchmal gar nicht. Da hilft dann wirklich das Leben im Hier und Jetzt – egal, wie das Meditieren gestern oder vorgestern war, heute wird es sicher ganz anders.
    Nachdem ich Euch ja schon als Tauch- und Yogalehrer gesehen habe, habe ich jetzt gleich schon die Vorstellung von einem kleinen Kloster, in dem Ihr meditationswillige Schüler empfangt… 🙂
    Allerdings wird Florian zwischendurch immer mal wieder weg müssen, da ihn Filmstudios für 50erJahre-Filme als Ersatz für Cary Grant anfordern werden. Pomade steht ihm ausgezeichnet und macht einen old-fashioned-Gentleman aus ihm… 🙂
    Und in seine schwarz-rot-graue Hose habe ich mich sofort verliebt…
    Ich freue mich, dass Ihr immer das beste aus der jeweiligen Situation macht und immer schön flexibel bleibt. Das Leben ist eben Veränderung…
    Alles Liebe und macht weiter so,
    Ute

      1. In meiner Vorstellung macht Ihr gleich einfach alles perfekt.
        Warum das so ist, weiß ich nicht, aber nehmt es einfach als Kompliment… 🙂
        Und bei Yoga und Meditation ist es ja eh so, dass man sich ein Leben lang als Schüler ansieht, was einen aber nicht davon abhalten sollte, auch andere zu lehren.
        Namasté und ein schönes Wochenende wünscht Euch
        Ute

  2. Mal wieder sehr spannend zu lesen.
    Magen und Immunsystem möchte man bei euch auch nicht sein, die müssen seit Reisebeginn bei euch beiden Hochleistung erbringen 😉
    Bei den Schilderungen zum Thema „Lonely Planet“-Reiseführer kam ich mir ein wenig vor wie auf der Autobahn, sobald der Stau durchgesagt wird und alle auf einmal abfahren, weil das Navi den Stau umfahren will… Da sieht man dann immer, wer den gleichen Navi-Hersteller hat 🙂
    Floh’s Hose erinnert mich so ein wenig an die 80er-Jahre-Schnellfxxxer-Hosen, bekommt man ein wenig Augenkrebs… und passt auch nicht zur Pomade im Haar, da wäre ein schicker Hamphrey Bogart-Anzug mit Hut passender. Dann stehen die Filmstudios tatsächlich Schlange. Zumindest passt die Hose zum Roller, auch wenn man den Aufkleber auf dem Helm nicht gut erkennt.
    Wir wünschen euch noch eine spannende und vor allem gesunde Zeit.
    Fühlt euch gedrückt.
    Dirk

    1. Haha, ja der Vergleich Navi und Lonely Planet ist in der Tat sehr treffend! 😀

      Naja, unsere Hosen sind schon um einiges cooler und vor allem bunter! 😛
      Tatsächlich hat hier in Asien fast jeder eine solche Hose, meistens allerdings mit dem typischen Elefantenaufdruck, wie die, welche ich auf dem Fahrrad anhabe. Mittlerweile habe ich die aber gegen eine viel tollere und buntere ausgetauscht *g*

      Der ganz große Vorteil dieser Hosen ist, dass sie nicht nur unglaublich bequem sondern auch sehr leicht und luftig sind. Insbesondere in Asien ist es nicht immer angebracht so viel Haut zu zeigen, da sind die Hosen eine super Alternative. Und man klebt beim reisen nicht ganz so sehr am Sitz fest, wenn es so warm ist…

  3. Wieder mal ein interessanter Reisebericht .Danke dafuer
    Bei allem Schoenen das ihr erlebt und euch auch traut alles Neue was auf euch zukommt mitzumachen, braucht ihr warscheinlich zu Hause erst mal Urlaub vom Urlaub um wieder zur Ruhe zu kommen
    Aber noch bleibt euch Zeit weitere Aktivitaeten in Angiff zu nehmen
    Bedauerlicherweise habt ihr oefter gegen laestige Unpaesslichkeiten zu kaempfen
    Wir hoffen und wuenschen , dass immer wieder alles gut wird und ihr weiterhin eure Abenteuerreise geniessen koennt
    Also dann weiter so und viele schoene Zeiten wuenschen euch Oma und Opa

    1. Hehe, ja, das mit dem Urlaub vom reisen haben wir uns auch schon gedacht. Daher haben wir die letzten knapp zwei Wochen unserer Reise bevor wir nach Hause kommen als sehr ruhigen Urlaub bereits geplant 😉

  4. Nein aber auch, dieses „Pomadenfoto“ ist der absolute Hammer 😉 – wie aus das sieht…
    Nur so am Rand: von deinem Vater gibt es auch so tolle Fotos, nur ist das schon ein wenig her, hihihi.
    Sehr schade finde ich es, dass ihr nun schon mehrfach von eurem Inneren ausgeknockt wurdet. Aber ihr habt ja zum Glück viel Zeit, befindet euch im Dauerurlaub und könnt das eine oder andere nachholen.
    Jetzt seid ihr schon wieder weitergereist nach Laos, und ich hoffe ihr bleibt erst einmal gesund und munter.
    Haltet uns weiterhin so toll auf dem Laufenden, wir fiebern jedem neuen Eintrag mit großer Freude entgegen.
    Fühlt euch ganz doll umarmt von mir!

    1. Hehe, ich hab mich natürlich schön kaputt gelacht, als Flo zum Gentleman gestylt wurde 😉

      Die besonders auch körperliche Belastung unterwegs ist wahrscheinlich auch einer der größten Unterschiede zwischen einem „Urlaub“ und einer „Langzeitreise“ nicht zu verwechseln mit „Dauerurlaub“ 😉

  5. … Habe eine non-stop-Seminarwoche hinter mir und bin erst jetzt zum Lesen gekommen.
    Habe mich total gefreut über eure neuen Erlebnisse (wie immer kurzweilig und zum schmunzeln)… für mich also echte Erholung und (für meine Verhältnisse) auch schon ein wenig wie „Meditation“ ….. also wenn ihr „nen Plumps“ von der anderen Seite der Weltkugel wahr nehmt, habe ich das Meditieren zuerst ohne Stuhl ausprobiert

    Ne ernsthaft, bin durch euch jetzt richtig motiviert und neugierig, es mal „so wirklich“ auszuprobieren und anzugehen.

    Zum Friseur wollte ich eigentlich auch noch…. hm, mal sehen ;-)))

    Also denn, viel Freude bei euren nächsten Touren.
    Ulli

    1. Das freut mich! 🙂
      Fang mit dem üben am besten erstmal im sitzen an, dann kannst du auch nicht umfallen 😉

      Friseur?! Du meinst wohl Hatti muss wieder Überstunden schieben, hehe 😉

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