Reif für die Insel

Wie schon im letzten Beitrag erwähnt, haben wir eine kleine Pause vom ständigen unterwegs sein eingelegt und die letzten zwei Wochen auf Phú Quốc verbracht. Hier haben wir mal ein wenig die Seele baumeln lassen und sind tatsächlich auch mal dazu gekommen etwas anderes zu lesen als immer nur Reiseführer. Da wir den Großteil der Zeit mit einem Buch am Strand verbracht haben, wird dieser Eintrag wohl etwas kürzer werden als die vorherigen, ein paar Dinge haben wir aber dennoch erlebt und die möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Phu Quoc Sonnenuntergang Pia Flo
Sonnenuntergang am leeren Strand (Phú Quốc, Vietnam)

16.03. – 30.03.2016 Phú Quốc, Vietnam

Phú Quốc liegt zwar vor der Küste Kambodschas, gehört aber trotzdem zu Vietnam. Die Insel war zur Zeit der französischen Besatzung Indochinas vor allem als Gefängnisinsel berühmt und berüchtigt und auch während des Vietnamkriegs betrieben hier die Süd-Vietnamesen mit Unterstützung der USA ein riesiges Gefangenenlager.
Heute tut die kommunistische Regierung des Landes alles dafür, möglichst viele zahlungskräftige Touristen auf die Insel zu locken. Überall sprießen neue Resorts wie Pilze aus dem Boden und die Visabestimmungen wurden extra für die Insel gelockert.

Die erste Woche verbrachten wir in einem schönen Bungalow am sehr ruhigen Ông Lang Beach. Wie bereits oben erwähnt verbrachten wir die meiste Zeit mit einem Buch am Strand und sprangen zwischendurch immer mal wieder in das fast 30 Grad warme Meer. Den Tag ließen wir dann meistens bei einem kühlen Bier und gutem vietnamesischen Essen (Sommerrollen, ein Traum!) in unserem Stammrestaurant ausklingen.

Phu Quoc Nussschale
Fischer in traditioneller „Nussschale“ (Phú Quốc, Vietnam)
Phu Quoc Strand
Einer von vielen Stränden auf der Insel (Phú Quốc, Vietnam)
Phu Quoc Sonnenuntergang
Man konnte es fast zischen hören… (Phú Quốc, Vietnam)

Nach ein paar Tagen setze dann tatsächlich ein schon fast verloren geglaubtes Gefühl ein: Langeweile! Allerdings empfanden wir das nicht als negativ, sondern freuten uns eher, endlich mal den Kopf etwas frei zu haben und nicht schon wieder daran denken zu müssen, wo wir wohl morgen schlafen werden und wie wir am besten dort hin kommen. Um aber nicht vollständig der Trägheit zu erliegen mieteten wir uns an einem Tag einen Roller und machten einen Ausflug in den Norden der Insel.

Hier zeigte sich dann auch das ganze Ausmaß des aktuellen Tourismusbooms. Wir fuhren vorbei an unzähligen Baustellen für gigantische neue Resorts, die teilweise bis direkt ans Meer reichten. So wurden wir an einer Stelle von einem grimmigen und stark bewaffneten Wachmann an der Weiterfahrt auf der staubigen Küstenstraße gehindert und mussten ein paar hundert Meter direkt am Strand entlang fahren. Zu unserem Glück blieben wir aber nicht stecken und erreichten dann auch bald wieder die asphaltierte Hauptstraße. Das merkwürdigste Bild bot sich im Norden der Insel, wo wir mitten im Nirgendwo auf einen riesigen Vergnügungspark inklusive Riesenrad und jeder Menge Wasserrutschen stießen.

Ein riesiges Problem auf der Insel ist der viele (Plastik-)Müll. Wo man auch hinsieht trifft der Blick auf ausgediente Flipflops, leere Zahnpastatuben, Plastikbecher, alte Autoreifen, Plastikflaschen, jede Menge Plastiktüten und diversen anderen Müll. Sofern nicht ein Resort an den Strand angrenzt, welches für die Reinigung des Abschnittts sorgt, liegt und schwimmt überall Abfall. In einem Online-Reiseführer steht deswegen unter Phú Quốc auch „Die einzige Müllhalde, auf der Tourismus betrieben wird.“
Der Anblick dieser verschandelten eigentlich so wunderschönen Natur macht einen wirklich traurig und zugleich wütend! Leider sind hier nicht nur die Hotels und Touristen schuld, sondern auch die einheimische Bevölkerung, der das Wissen und Verständnis fehlt, warum es Sinn macht, ihren Müll vernünftig zu entsorgen. Dass die Tiere, welche sie essen, häufig Müll mit Futter verwechseln, ist ihnen scheinbar nicht bewusst oder aber einfach egal. Darüber hinaus fehlt natürlich eine gut funktionierende Entsorgungsinfrastruktur, Vietnam ist eben ein Entwicklungsland und als solches definitiv nicht alleine mit seinem Müllproblem. Wieder einmal wurde uns bewusst, wie wichtig Bildung und Problembewusstsein eigentlich ist.

Phu Quoc Müll
Müll, überall Müll (Phú Quốc, Vietnam)

Für die zweite Woche zogen wir in den Hauptort Dương Đông. Auch hier hatten wir wieder einen Bungalow gemietet und machten ansonsten da weiter, wo wir zuvor ca. 15 km weiter nördlich aufgehört hatten: Strand, Baden, Lesen und Entspannen.

Um uns aber nicht wund zu liegen und auch weiter an unseren Tauchkünsten zu feilen, fuhren wir an einem Tag mit dem Boot der Flipper Divers in das Tauchrevier im Norden der Insel. Technisch klappte alles besser als erwartet, der Kurs auf Koh Tao war also auf jeden Fall sein Geld wert. Bei unserem ersten Tauchgang hatten wir sogar das große Glück einen kleinen Bambushai in einer Felsspalte zu erspähen. Leider hatte er sich so gut versteckt, dass wir ihn nicht vor die Linse bekommen haben. Unser Guide war hell auf begeistert, den letzten hatte er vor zwei Jahren gesehen. In der Region gibt es leider immer weniger Bambushaie, wahrscheinlich auf Grund von Überfischung. Abgesehen davon waren die Bedingungen sonst leider nicht so optimal wie zuvor in Thailand. Bei unserem ersten Tauchgang herrschte noch halbwegs gute Sicht, beim zweiten mussten wir dann schon sehr nah an den Flossen unseres Guides bleiben, um ihn bei nur wenigen Metern Sicht nicht aus den Augen zu verlieren. Trotzdem hat es uns aber wieder total Spaß gemacht und die nächsten Tauchgänge sind schon in Planung 😉

Phu Quoc Tauchen Pia
Pia unter Wasser (Phú Quốc, Vietnam)
Phu Quoc Tauchen Flo
Alles OK! (Phú Quốc, Vietnam)
Phu Quoc Tauchen Fische
Fischschwarm (Phú Quốc, Vietnam)
Phu Quoc Dornenkronenseestern
Dornenkronenseestern (Phú Quốc, Vietnam)

Ein weiterer Ausflug mit dem Roller führte uns in den Süden der Insel. Hier befinden sich die letzten Überreste des Gefängnisses aus der Zeit des Vietnamkriegs. Die wenigen verbliebenen Baracken sind heute als Museum zugänglich und geben einen Einblick in die Grausamkeit des Krieges. Wir hatten bei der Besichtigung etwas gemischte Gefühle. Zum Einen war da das beklemmende Gefühl, das solche Orte vermitteln, zum Anderen aber auch die überall gegenwärtige Propaganda der regierenden kommunistischen Partei. An jeder Ecke wurde so überschwänglich auf den Patriotismus der Gefangenen hingewiesen, dass es für Außenstehende wie uns fast schon lächerlich wirkte, was den Schicksalen der Einzelnen sicherlich in keiner Form gerecht wird.

Phu Quoc Gefängnis 2
Gefängnis-Baracken (Phú Quốc, Vietnam)
Phu Quoc Gefängnis 1
Käfig im Gefängnis (Phú Quốc, Vietnam)
Phu Quoc Gefängnis 3
Tunnel in die Freiheit (Phú Quốc, Vietnam)
Phu Quoc Gefängnis 4
Ausgang des Tunnels (Phú Quốc, Vietnam)
Phu Quoc Gefängnis Schild
Eines von vielen skurrilen Schildern (Phú Quốc, Vietnam)

Morgen hat das relativ faule Leben aber wieder ein Ende und wir machen uns früh morgens mit Fähre und Bus auf den Weg nach Kambodscha. Eigentlich hatten wir noch einen kurzen Stop in Ho-Chi-Minh City (Saigon) geplant, aber da es hier von Tag zu Tag heißer wird, haben wir keine Lust im Smog einer weiteren asiatischen Metropole davon zu fließen und haben uns daher recht spontan dazu entschlossen uns erstmal weiter an der Küste entlangzuhangeln! 🙂

Entspannte Grüße,
Pia & Florian

6 Gedanken zu „Reif für die Insel“

  1. Super, schon wieder ein Bericht! Wenn auch kürzer als sonst, so doch wieder viele Informationen und sehr einfühlsam geschrieben, habt Dank dafür! Tolle Fotos – der Sonnenuntergang ist ja sooooo was von kitschig …;-)))
    Sehr gut, dass Ihr bei der Hitze nicht in eine weitere Großstadt fahrt.
    Ich wünsche Euch auf jeden Fall eine gute und gesunde Weiterreise. Auf ein „Wiedersehen“ in Kambodscha.
    Fühlt Euch ganz lieb umarmt.

  2. Auch ich sage Danke für diesen tollten Bericht und die tollen Bilder. Wenn man hier das üble Wetter sieht wird man doch sehr neidisch, wobei mir es bei euch wohl doch zu warm wäre 😉
    Ich finde das Bild von der untergehenden Sonne perfekt… genial getroffen 🙂
    Ihr macht das schon richtig, dass ihr es etwas entspannter angehen lasst. Hitze und Großstadt vertragen sich nun mal nicht.
    Fühlt euch fest umärmelt und viel Spaß beim Tauchen 🙂

  3. Hey ihr beiden
    Schoen von euch zu hoeren
    Wir freuen uns , dass ihr auch mal die Gelegenheit nutzt ein bisschen ruhigere Zeiten zu genissen
    Der Bericht von den unwuerdigen Gefaengnissen erinnert mich an unsere Zeit in Australien
    Auch dort hatten wir die Gelegenheit einen Einblick in das Leben Australischer Straeflinge zu bekommen
    Die historische Anlage heisst Port Arthur
    Um 184o haben dort ueber 2000 Strafgefangene und Angestellte gelebt
    Die Siedlung wurde 1877 wieder geschlossen
    Aus den Gebaeuden wurde eine bluehende Touristikindustrie entwickelt Nationalparks und Natur
    So dieses zum Thema Straflager und unsere Erinnerung daran
    Nun lasst es euch weiterhin gut gehen
    Liebste Gedanken an euch von Oma und Opa

    1. Ja, es ist schon krass und traurig was Menschen anderen Menschen antun können!
      Jedes Land hat irgendwie seine eigene Kriegsgeschichte.
      Aber es ist schön so viele Länder zu bereisen, die wenigstens einigermaßen in Frieden leben.

  4. Hey ihr 2,
    Sitze grad nach fast getaner Arbeit bei O&O „aufn Kaffe“ 🙂 und mogel mich mal direkt dazwischen, bevor ich Morgen wieder on tour bin :-)))
    Recht so, ihr habt die Seele baumeln lassen und das Köpfchen frei geschaufelt. Prima, dass es mit dem Tauchen geklappt hat … Und bei schlechter Sicht tauchen hast du (Pia) ja schon in frühester Kindheit im 36º blauen Meer (=damalige „bahama-blue“ Badewanne) geübt, hi, hi 🙂
    Also denn, legt euch trocken und gute Weiterreise
    Ulli

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