Wer hat an der Uhr gedreht?!

In weiser Voraussicht hatten wir schon früh in unserer Planung einen entspannten Abschluss für unsere 11-monatige Weltreise gebucht. In den letzten knapp zwei Wochen wollten wir uns auf eine kleine kenianische Insel im indischen Ozean nahe der Grenze zu Tansania zurückziehen. Ausgangsort hierzu war Mombasa, nach Nairobi Kenias zweitgrößte Stadt.

Wasini Clownfisch
Clownfisch (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)

27.06. – 28.06.2016 Mombasa, Kenia

Von Nairobi aus sind wir nach einem entspannten Start in den Tag eine Stunde lang nach Mombasa geflogen. Da die Etappe von Nairobi nach Wasini Island zu lang für einen Tag gewesen wäre, haben wir uns entschlossen eine Nacht in Mombasa zu verbringen. Unser Hotel (das einzige bezahlbare Hotel mit kostenlosem Flughafentransfer) befand sich mitten in der chaotischen und wuseligen Altstadt. Das Viertel war wahnsinnig laut und stressig und die Straßen waren zu jeder Tageszeit voll mit Menschen. Mombasa ist, ähnlich wie zuvor schon Sansibar, sehr muslimisch geprägt. Da zu dem Zeitpunkt immer noch Ramadan war, dröhnte es aus den Lautsprechern der zwei benachbarten Moscheen auch ununterbrochen, was bei uns nicht gerade zur Entspannung beitrug.

Als wir völlig gestresst in unserem Zimmer ankamen, stellten wir fest, dass wir ja auch noch etwas zum Abendessen brauchten. Das Hotelrestaurant hatte dummerweise während der Fastenzeit komplett geschlossen und auch in unserem sonst immer gut gefüllten Snack-Beutel herrschte gähnende Leere. Somit stürzten wir uns nach Sonnenuntergang (vorher braucht man es während des Fastenmonats gar nicht erst versuchen) wieder ins Getümmel und versuchten verzweifelt ein Etablissement zu finden, was ansatzweise essbare Dinge verkaufte. Während Ramadan bleiben nämlich (wieder was gelernt…) viele Restaurants geschlossen. Nach einiger Sucherei fanden wir dann einen relativ gut besuchten (immer ein gutes Zeichen!) Imbiss, welcher aber mal abgesehen von Pommes nur Fleisch auf der Karte führte. Da die letzten kenianischen Pommes, die wir hatten, extrem ekelig waren, bestellten wir uns „Pommes Masala“, frei nach dem Motto: wenn die Pommes schon wabbelig sind, dann kaschiert dies hoffentlich die Sauce, in der sie schwimmen. Das Ganze war dann auch, wie man sich vorstellen kann, ziemlich „speziell“, aber essbar und unsere Mägen haben danach zum Glück auch nicht rebelliert. Immerhin hatten wir nun für insgesamt drei Euro inklusive Getränken einen vollen Bauch und machten uns fix wieder auf den Weg zurück zum Hotel. Danach verbrachten wir den Abend damit zuzuschauen, wie Island für den zweiten Brexit sorgte.

28.06. – 07.07.2016 Wasini Island, Kenia

Nachdem wir morgens vom Muezin geweckt wurden, frühstückten wir noch schnell und wurden anschließend von unserem sehr netten und gesprächigen Fahrer Omar abgeholt. Dieser brachte uns in den nächsten zwei Stunden von Mombasa die Küste hinunter bis in das kleine Dorf Shimoni. Hier wartete schon Feisal, der Besitzer unserer Unterkunft, auf uns und brachte uns mit seinem Boot auf die gegenüberliegende Insel Wasini. Am Steg empfing uns seine Frau Amina (eine deutsche Auswanderin) und führte uns in unsere liebevoll eingerichtete Steinhütte, welche für die kommenden neun Nächte unser Zuhause sein sollte. Auch hier merkten wir die Auswirkungen von Ramadan. Normalerweise nehmen Amina und Feisal während des Fastenmonats gar keine Gäste auf, da wir aber so weit im Voraus gebucht hatten, haben die beiden damals wohl noch nicht daran gedacht und so hatten sie uns die Buchung dann doch bestätigt. Dies hieß nun wiederum, dass wir ihre einzigen Gäste waren, was für uns Ruhesuchende genau das Richtige war.

Wasini Unterkunft
Unser Zuhause auf der Insel (Wasini Island, Kenia)
Wasini Strand
Unser kleiner Privatstrand (Wasini Island, Kenia)
Wasini Flut
Blick Richtung Festland bei Flut (Wasini Island, Kenia)

Erneut begegnete uns auch das Problem Essen, wir sind nach dem Overlanding einfach nicht mehr daran gewöhnt, uns darum selber kümmern zu müssen. Da Wasini so weit ab vom Schuss ist, muss man hier sein Essen immer schon am Tag vorher bestellen. Das Abendessen hatten wir schon zuvor per E-Mail bestellt, hatten hierbei aber irgendwie das Mittagessen vergessen. Da Amina und Feisal auch beide fasteten und es auch sonst nicht wirklich etwas zu essen zu kaufen gab, mussten wir uns wohl oder übel mit unseren allerletzten Crackern und Cranberries begnügen. Beim Abendessen wurden wir dann aber mit einem super leckeren Seafood Menü entschädigt. Generell war das Essen, welches Feisals Schwägerin im benachbarten Restaurant immer frisch zubereitete, einfach überwältigend! Das Abendessen war unglaublich vielvältig mit diversen lokalen Spezialitäten, jeder Menge Gemüse und frischem Fisch oder Meeresfrüchten aus dem Meer vor der Haustür. Das Frühstück war auch reichhaltig mit viel Obst, Gebäck und Eiern, nur das ungeliebte Toastbrot verfolgte uns natürlich auch weiterhin. Unser absolutes Highlight war allerdings das Mittagessen. Hier gab es alles an Gemüse und Obst, was der Markt gerade so her gab, insbesondere Avocados, Mangos, Maracujas (zum niederknien!), Papayas, grüne (unglaublich leckere) Orangen und Datteln, die so süß waren, dass sie auch von Hans Riegel aus Bonn sein könnten. Was will man mehr?! 🙂

Wasini Lunch
Womit soll man da nur anfangen!? (Wasini Island, Kenia)

Unsere Tage auf Wasini bestanden im Allgemeinen aus Schlafen, Essen, Entspannen, Lesen, Planschen, der ein oder anderen Runde Sport und natürlich Karten zocken. Generell scheint hier auf Wasini die Uhr einfach nur halb so schnell zu ticken und alle Menschen, die hier leben, sind unglaublich entspannt. Um aber nicht nur auf der faulen Haut zu liegen, haben wir dann doch noch ein paar Aktivitäten in Angriff genommen.

Wasini Sonnenuntergang
Sonnenuntergang (Wasini Island, Kenia)
Wasini Affe
Neugieriger Besucher auf unserer Terasse (Wasini Island, Kenia)
Wasini Dusche
Perfekte Temperatur und mehr Wasserdruck als in vielen anderen Duschen (Wasini Island, Kenia)

Vor der Insel befindet sich der Kisite Marine Nationalpark, dessen Bewohner wir bei einem Schnorchelausflug aus nächster Nähe beobachten konnten. Das Ganze hatten unsere Gastgeber netterweise für uns organisiert. Ganz nach afrikanischer Art war allerdings morgens immer noch nicht ganz klar, ob das Boot nun wirklich rausfährt oder nicht. Und so frühstückten wir früh, machten uns abfahrbereit und warteten, ob uns nun vielleicht jemand abholen würde. Wie unser Overlanding-Guide Matt nun sagen würde: TIA – This is Africa! Hakuna Matata! Afrika meinte es an diesem Tag scheinbar gut mit uns und wir wurden tatsächlich zum Schnorcheln abgeholt. Auf dem Weg in den Nationalpark hofften wir noch die Delfine zu sehen, welche sich häufig vor Wasinis Küste rumtreiben… leider vergebens! Danach schnorchelten wir mit einigen anderen (überwiegend merkwürdigen Pauschaltouristen, welche aus ihren all inclusive Resorts angekarrt wurden) ca. eine Stunde im Nationalpark. Leider war es an dem Tag sehr bewölkt, sodass zum einen die Farben unter Wasser nicht ganz so brilliant waren und zum anderen man nicht von der Sonne aufgewärmt wurde. So waren wir dann doch irgendwann ganz ohne Neoprenanzug ziemlich durchgefroren und waren froh, als wir wieder an Board des Boots waren. Während des Schnorchelns bekamen wir aber immerhin schon einmal einen guten Einblick in den extrem fischreichen und gut erhaltenen marinen Nationalpark.

Da wir beide von der Unterwasserwelt des Parks sehr beeindruckt waren, planten wir (oder besser: wir ließen planen) für ein paar Tage später erneut einen Ausflug dorthin, diesmal allerdings für zwei Tauchgänge. Wir landeten auf einem etwas größeren Boot, welches uns beide und jede Menge Schnorchler erneut in den Nationalpark bringen sollte. Diesmal hatten wir mehr Glück und konnten unterwegs einige Delfine beim Jagen beobachten.

Wasini Delfin 1
Delfine neben unserem Boot (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)

Da wir die einzigen Beiden waren, die tauchen gehen wollten, hatten wir unseren sehr kompetenten Divemaster Ben ganz für uns alleine. Während der Tauchgänge schwammen wir zwischen unzähligen bunten Fischen, bestaunten große Muränen, einige Rochen, sowie Feuerfische, Kofferfische, Drückerfische, Doktorfische, Papageienfische, einige große Zackenbarsche sowie zahlreiche Falterfische. Abgesehen davon schien das Riff ein riesiger Fischkindergarten zu sein und einige Schwärme verschiedener anderer Fische (Süßlippen, Schnapper etc.) waren auch zu sehen.

Wasini Korallen 2
Mächtig was los (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)
Wasini Korallen 1
Korallen überall (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)
Wasini Einhornfisch
Einhornfisch (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)
Wasini Moräne 1
Netzmuräne (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)
Wasini Moräne 2
Tüpfelmuräne (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)
Papageienfisch (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)
Papageienfisch (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)
Wasini Rochen 2
Gut getarnt! (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)
Wasini Rochen 1
Blaupunktrochen (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)
Wasini Triggerfish
Drückerfisch (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)
Wasini Sweetlips
Süßlippe (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)
Wasini Scorpionfish
Feuerfisch (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)
Wasini Tauchen Flo
Kennt hier jemand noch Lämmerman von VIVA? (Kisite Marine Nationalpark, Kenia)
Wasini Tauchen Pia
Ein letztes Mal abtauchen… vorerst! (Wasini Island, Kenia)

Leider sahen wir nicht die erhoffte Schildkröte, aber so haben wir noch ein gutes Ziel für zukünftige Tauchgänge. Insgesamt waren die beiden Tauchgänge wohl die fischreichsten, die wir bis jetzt erleben durften! Da dort jedoch eine relativ starke Strömung herrschte und wir somit ordentlich paddeln mussten, waren wir nach diesem Ausflug fix und fertig. Mit letzter Kraft schafften wir es gerade noch die Stufen hinauf zum Abendessen auf der Dachterasse. 😉 Zur Feier des Tages hatten wir uns das Hummermenü gegönnt, zu welchem wir unseren mitgebrachten Wein aus der campingfreundlichen Plastikflasche tranken. Danach fielen wir totmüde aber glücklich ins Bett.

Wasini Dinner
Zur Feier des Tages gibt es Hummer (Wasini Island, Kenia)

Auf Feisals Anraten hin besuchten wir ein paar Tage später den Korallengarten in seinem Heimatdorf auf der Insel. Hierbei handelt es sich um Steinformationen, welche vor Urzeiten von Korallen gebildet worden waren. Je nach Mondphase füllt sich der Garten bei Flut mit Wasser und liegt bei Ebbe trocken, was die perfekten Voraussetzungen für Mangroven sind. Diese Bäume können nämlich tatsächlich in Salzwasser wachsen. Der kurze Ausflug dorthin war definitiv lohnenswert und eine willkommene Abwechslung zum sonstigen relaxten Tagesablauf.

Wasini Korallengarten Flo
Wandeln zwischen Mangroven und… (Wasini Island, Kenia)
Wasini Korallengarten Pia
… Korallen in Wasinis Korallengarten (Wasini Island, Kenia)
Wasini Korallengarten
Pure Idylle (Wasini Island, Kenia)
Wasini Selfie
Ausnahmsweise mal ein Selfie 😉 (Wasini Island, Kenia)

Als sich unser Aufenthalt nach ein paar weiteren ruhigen Tagen langsam aber sicher dem Ende zuneigte, setzten wir nach einem letzten Frühstück mit Meeresblick wieder auf das Festland über. Hier wartete erneut unser Fahrer Omar auf uns, den wir ja schon von der Hinfahrt kannten und brachte uns sicher wieder zurück zu unserem Hotel in Mombasa.

07.07. – 08.07.2016 Mombasa, Kenia

Dort angekommen bezogen wir nach kurzer Wartezeit unser Zimmer und da unsere Mägen schon wieder knurrten,  besuchten wir das hervorragende indische Restaurant, welches letztes mal leider geschlossen hatte. Hier genossen wir ein sehr leckeres und „actionreiche“ Mittagessen . Pias Paneer Masala war nämlich nicht, wie Pia dachte, mit Knoblauch bestreut, sondern mit feinen Mandelsplittern und das obwohl uns in ganz Afrika noch keine einzige Mandel begegnet war. Zum Glück hatte Pia aber nur wenig gegessen, bevor wir es bemerkten. Florian legte daraufhin einen kurzen Sprint zum Hotel zurück, welches zum Glück um die Ecke war, um Pias Allergieset zu holen. Da wir es ja zum Glück schnell gemerkt hatten und nun die richtige Medizin da war, lief alles glimpflich ab und wir sind mit einem kleinen Schrecken davon gekommen. Die Restaurantangestellten waren allesamt sehr nett und brachten Pia eine neue mandelfreie Version des Essens, sodass wir danach satt und zufrieden unsere Snacks für den morgigen Rückreisetag einkaufen konnten. Jetzt werden wir noch ein bisschen relaxen und (falls wir es schaffen so lange aufzubleiben) vielleicht auch noch das Deutschlandspiel heute Abend verfolgen.

Morgen geht es dann tatsächlich nach 331 Tagen zurück nach Deutschland! Wirklich realisiert haben wir das noch nicht, denn mittlerweile ist das Reisen ein Stück weit Normalität geworden, sodass es uns schwer fällt zu glauben, dass es nun (vorerst) vorbei sein soll. Wir freuen uns aber beide unglaublich darauf, nach so langer Zeit unsere Familien und Freunde wiederzusehen und somit werden wir morgen den Flieger mit mindestens 1,5 lachenden und maximal einem halben weinenden Auge besteigen 🙂

Kwaheri,
Florian & Pia

7 Gedanken zu „Wer hat an der Uhr gedreht?!“

  1. Da habt ihr ja zum Abschluss noch richtig tolle Dinge gesehen. Nur gut, dass ihr das Allergie-Set in der Nähe hattet.
    Ja, morgen tretet ihr den Rückweg an und wir freuen uns alle total auf euch.
    Wir wünschen euch eine tolle, sichere und entspannte Rückreise!

    1. Hehe, ja echt, haben es zum Glück nie gebraucht und dann am letzten Tag! Naja, besser so als wenn wir zum Krankenhaus hätten fahren müssen.
      Bis heute Abend dann!

  2. …wer hat an der Uhr gedreht …
    Nun ist es also so weit – Ihr kommt zurück! Was freuen wir uns auf Euch!
    Für Eure Rückreise wünschen wir Euch alles Gute!
    Auf ganz bald…

  3. So eine schoene Ueberraschung haben gar nicht mehr mit einem Bericht gerechnet
    Freuen uns , dass ihr noch so tolle Sachen erlebt habt
    Nun sind wir voller Vorfreude auf unser Wiedersehen
    Wuenschen euch eine stressfreie Reise in die Heimat
    Bis bald liebe Gruesse von Oma und Opa

  4. Hey ihr Zwei, wir hoffen, der Heimkehrer-Schock hat euch nicht zu sehr im Griff – und ihr feiert beide rauschende Geburtstagsfeten 🙂 Es war wirklich eine Freude, euch kennengelernt zu haben… wir denken hier an euch. Alles Liebe, Feisal & Amina, Blue Monkey Beach Cottages, Wasini

    1. Wir tun uns noch etwas schwer, wieder in Deutschland Fuß zu fassen, aber wir sind glücklich unsere Familien und Freunde wiederzusehen. Immer wenn es uns hier zu hektisch wird, denken wir an die ruhigen Tage bei Euch auf Wasini zurück… das mildert etwas den Wiedereingliederungsstress 🙂
      Liebe Grüße, Pia und Florian

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